12.02.2020 16:18

Spionage-Affäre

Was wusste Alt-Bundesrat Kaspar Villiger?

Die CIA und der BND haben via eine Schweizer Tarnfirma über 100 Länder hinters Licht geführt. Sie verkauften diesen manipulierte Chiffriergeräte, um sie abzuhören.

von
mon
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Wusste Alt-Bundesrat Kaspar Villiger Bescheid?

(Bild: Keystone/urs Flueeler)

Ein Dokument in den CIA-Papieren beschuldigt Villiger als Mitwisser der Spionageaktion.

(Bild: Keystone/Christian Merz)

Ex-Diplomat Thomas Borer ist von den Spionage-Enthüllungen schockiert: «Es handelt sich hierbei um erstaunliche Vorgänge, die unserem Image als neutraler, unparteiischer Staat bei den betroffenen Nationen sicherlich Schaden zufügen wird.»

(Bild: privat)

Mithilfe der Zuger Firma Crypto AG sollen die CIA und der BND jahrzehntelang Staaten ausspioniert haben.

(Bild: Keystone/urs Flueeler)

Die Firma wurde 1970 von den beiden Geheimdiensten zu gleichen Teilen gekauft.

(Bild: AP/Carolyn Kaster)

Der BND stieg jedoch 1993 wieder aus.

(Bild: AP/Markus Schreiber)

Die ausspionierten Staaten erhielten Verschlüsselungsgeräte, die unsicher waren.

(Bild: Keystone/urs Flueeler)

Bundesrat Guy Parmelin hat wegen der Spionage-Affäre eine Untersuchung eröffnet.

(Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Beim Bund soll es Mitwisser gegeben haben. Sie sollen Untersuchungen vertuscht haben. Darunter auch Alt-Bundesrat Kaspar Villiger, wie SRF am Mittwoch berichtet. Ein Dokument in den CIA-Papieren beschuldigt Villiger als Mitwisser der Spionageaktion. In dem CIA-Papier heisst es dazu: «Villiger wusste, wem das Unternehmen gehörte, und er fühlte sich moralisch verpflichtet, dies offenzulegen.» Ebenso steht in dem Dokument: «Offensichtlich hat Villiger den Mund gehalten.»

«Stimmen in dieser Form nicht»

Alt-Bundesrat Villiger bestreitet die Vorwürfe vehement: «Wer und was auch immer hinter den CIA-Notizen zu meiner Person stecken mag: Sie stimmen in dieser Form nicht, denn eine detaillierte Information über die Übungsanlage hätte mich sofort alarmiert», schreibt er der «Rundschau».

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt er zudem: «Ich war in diese nachrichtendienstliche Operation nicht eingeweiht.» Er fügt an: «Handlangerdienste für Drittstaaten, die den Ruf der Schweiz als verlässlich neutrales Land beschädigen können, hätte ich niemals gedeckt und auf jeden Fall im Bundesrat zur Sprache gebracht.»

Schon vor Jahrzehnten bestritt der Crypto die Manipulierbarkeit. (Video: SRF)

Die Geheimdienstaffäre

• Im Zentrum der Spionageaffäre (Cryptoleaks) steht die Schweizer Firma Crypto AG, die laut Recherchen von ZDF, SRF und «Washington Post» jahrzehntelang manipulierte Chiffriergeräte verkaufte.

Ein Chriffriergerät der Firma Crypto. (Bild: Keystone)

• Über 100 Länder vertrauten auf die Verschlüsselungstechnik aus der neutralen Schweiz. Sie glaubten, so die Kommunikation zwischen Regierungs- oder Armee-Stellen sicher zu machen. Zu den Kunden zählten etwa Iran, Ägypten, Argentinien, Jugoslawien oder der Vatikan.

• Über die Chiffriergeräte konnten der US-Geheimdienst CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) jahrzehntelang mitlesen. Sie hatten die Crypto AG 1970 über eine Liechtensteiner Tarngesellschaft gekauft. Es sollen bis 2018 Hunderttausende Botschaften abgefangen worden sein. Das belegt ein 280-seitiges Geheimdienst-Dossier.

• Auch Schlüsselpersonen in der Schweiz sollen von der Spionageaktion gewusst haben. Das kratzt am Ruf der neutralen Schweiz. Der Bundesrat hat eine Untersuchung eingeleitet.

• Der Informationsvorsprung der USA hat die Geschichte beeinflusst: 1978 konnten die Amerikaner bei den Camp-David-Verhandlungen für den Frieden im Nahen Osten die Ägypter abhören. Im Falklandkrieg leiteten Deutsche und Amerikaner entschlüsselte Funksprüche der argentinischen Marine an Grossbritannien weiter.

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