14.02.2020 13:01

Roadtrip in den USA

Schweizer nach Unfall auf 2 Millionen Dollar verklagt

2015 war ein Thurgauer zwei Monate lang an einer Sprachschule in den USA und machte anschliessend einen Roadtrip. Dabei kam es zu einem Unfall, der ihn nun teuer zu stehen kommen könnte.

von
vro
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Ein damals 22-jähriger Thurgauer machte 2015 einen Sprachaufenthalt in den USA. Danach ging er mit weiteren Schweizern auf einen Roadtrip. (Symbolbild)

(Bild: epa/Etienne Laurent)

In einem Mietauto fuhren sie von San Francisco Richtung Los Angeles.

(Bild: epa/Etienne Laurent)

Bei einer stark befahrenen Kreuzung kam es jedoch zu einer Kollision. (Symbolbild)

(Bild: iStock/Davidf)

Der Thurgauer gab an, dass er nur die gegenüberliegende Ampel gesehen habe, die auf Grün stand. Das Rotlicht, das für ihn galt, übersah er. (Symbolbild)

(Bild: iStock/Peeterv)

Die Lenkerin des anderen Fahrzeugs verklagte den jungen Thurgauer auf eine Million Dollar. Später verlangte sie gar zwei Millionen.

(Bild: iStock/Dny59)

Der Sprachaufenthalt in den USA dürfte für Benjamin O.* in schlechter Erinnerung bleiben. Alles hatte harmlos begonnen, wie der «Beobachter» schreibt. 2015 besuchte der damals 22-Jährige zwei Monate lang eine Sprachschule in San Francisco, anschliessend startete er mit drei weiteren Schweizern einen Roadtrip. Kurz darauf wollte O. sein Studium an der ETH Zürich beginnen.

Doch auf dem Roadtrip lief etwas schief: Schon auf der ersten Etappe kam es zu einem Unfall. An einer unübersichtlichen und stark befahrenen Kreuzung übersah O., der hinter dem Steuer sass, eine rote Ampel. Der Thurgauer lenkte den Wagen langsam auf die Kreuzung zu, als ein anderes Fahrzeug von der Seite angerauscht kam und mit dem Auto der Schweizer kollidierte.

Lenkerin stand unter Schock

«Ich weiss nur noch, dass wir plötzlich quer auf der Kreuzung standen», erzählt der Thurgauer dem «Beobachter». «Zuerst fragte ich meine Kollegen, ob es allen gut gehe. Dann fuhr ich zur Seite.» Das andere Fahrzeug habe ebenfalls am Rand gestanden, ob die Lenkerin es selbst nach dem Unfall dahin fuhr, weiss er nicht.

Niemand wurde beim Unfall ernsthaft verletzt. Die Lenkerin habe ein paar Prellungen durch den Airbag erlitten, sonst habe sie gesund gewirkt, erzählt O. Trotzdem habe er sich bei ihr entschuldigen wollen. Sie habe jedoch unter Schock gestanden.

Die Gruppe setzte ihren Roadtrip schliesslich mit einem neuen Mietauto fort. Anderthalb Jahre später dann der Schock: Der Thurgauer erfuhr, dass er auf eine Million Dollar Schadenersatz verklagt worden war. Dabei war er sich sicher gewesen, dass durch die Versicherung über die Autovermietung sämtliche Schäden abgedeckt waren. Diese stellte ihm schliesslich eine Anwältin zur Verfügung. «Erst da fühlte ich mich nicht mehr komplett verloren», sagt O.

O. unterschrieb Geständnis

Der Fall zog sich monatelang hin. Die Klägerin erklärte, sie habe durch den Unfall Rückenprobleme bekommen und sich operieren lassen müssen. Die Versicherung focht diese Behauptung an und bot der Klägerin 250'000 Dollar an – sie lehnte ab. Dann gab die Anwältin auch noch das Mandat ab. Der zweite Anwalt riet O., ein Geständnis zu unterschreiben, in dem er erklärte, dass er bei Rot über die Kreuzung gefahren sei. Das machte die Situation jedoch noch schlimmer.

Denn nun verlangte die Klägerin plötzlich zwei Millionen Dollar. Für den Thurgauer «komplett übertrieben». Alles sah danach aus, dass es zum Prozess kommt.

«Ich bin ihr nicht böse»

Dann die Wende: Ein von der Versicherung engagierter Privatdetektiv filmte die Geschädigte dabei, wie sie problemlos Schachteln trug – ein Widerspruch zu ihren Angaben über ihre Gesundheit. «Ich wusste, dass wir jetzt etwas in der Hand haben, mit dem wir verhandeln können», sagt O.

Doch die Klägerin ging nicht leer aus: Die Anwälte einigten sich im Februar 2019 auf eine Zahlung von 650'000 Dollar. Da die Versicherung Schäden bis zu einer Million abdeckt, drohten dem Studenten keine finanziellen Konsequenzen. «Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen.»

Persönlich konnte O. nie mit der Klägerin sprechen, obwohl er sich gern entschuldigt hätte. Ein schlechtes Bild von den Amerikanern hat der Fall bei ihm aber nicht hinterlassen. Er erinnere sich gern an die Offenheit und Freundlichkeit der Leute. Und: «Ich bin der Klägerin nicht böse.» Er glaubt, der ganze Ablauf des Falls sei «Teil der amerikanischen Kultur». «Ich bin froh, dass es vorbei ist. Und ich hoffe, dass es ihr gut geht.»

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