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23.03.2020 10:19

Erdbeben in Zagreb

Fussball-Ultras evakuieren Neugeborenen-Station

Nachdem ein heftiges Beben die Altstadt von Zagreb am Sonntag schwer getroffen hat, ist die Solidarität gross. Betroffene berichten.

von
jd
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Das Erdbeben der Stärke 5,4 um 6 Uhr am Sonntag schüttelte die Menschen in Zagreb aus dem Schlaf, viele verliessen panisch ihre vier Wände und rannten auf die Strasse. Mauern stürzten ein, Trümmer trafen Autos, Ziegel fielen von den Dächern. Die Bewohner der Stadt befanden sich nach dem Beben in Schockstarre.

Einen Tag nach der Naturkatastrophe versuche man im Alltag Stabilität zu finden, sagt Ana Sunic (30), die das Beben in ihrer Altstadtwohnung erlebte. Die Strassen seien zwar relativ leer aber der Schulunterricht werde beispielsweise via Fernseher und Internet weitergeführt: Eine Massnahme, die aufgrund des Coronavirus eingeführt wurde. «Die Nacht war unruhig, ich habe sie mit einem offenen Auge verbracht. Mehr als zwei Stunden habe ich wohl nicht geschlafen», schildert Sunic die angespannte Situation gegenüber 20 Minuten.

Zu gross sei die Angst, vor einem Nachbeben oder dass ihr Haus grössere Schäden davongetragen hat, als sie mit blossem Auge erkennen könne. Alle warten auf Statiker, die die Gebäude prüfen werden. «Meine Taschen sind gepackt. Ich bin darauf gefasst, die Wohnung jeden Moment verlassen zu müssen.» Um drei Uhr morgens habe die Erde erneut schwach gebebt. «Ich bin hochgesprungen, aber ich reagiere zurzeit auf jedes noch so kleine Geräusch. Wenn der Boiler anspringt, erschrecke ich», schildert die Betroffene.

Videoaufnahmen zeigen die kroatische Hauptstadt nach dem Erdbeben.

«Das Wichtigste ist, dass wir jetzt nicht allein sind»

Gross sei die Solidarität unter den Bewohnern. Sunic kümmere sich um ihre älteren Nachbarn. «Das Wichtigste ist, dass wir jetzt nicht allein sind und niemanden allein lassen. Die Situation wäre sonst kaum auszuhalten. Vom Schock nach dem Erdbeben herunterzukommen, unmöglich», sagt sie.

Ein anderer Leser-Reporter bekräftigt, wie gross die Hilfsbereitschaft unter den Bewohnern Zagrebs sei. «Die Leute helfen einander, das liegt in der Mentalität der Kroaten», sagt er. Auch die Bad Blue Boys, die berüchtigte Ultra-Gruppierung von Dinamo Zagreb, packt bei den Aufräumarbeiten mit an. «Die, die sich sonst auch mal die Birnen einschlagen, standen nach der Katastrophe bereit, um ein Spital zu evakuieren», erklärt der Leser. Die Aktion sei sogar via Live-Stream übertragen worden.

Über 1000 Mitglieder der Bad Blue Boys standen im Einsatz. Unter anderem hätten sie Helfer unterstützt, eine Babystation zu evakuieren und schwangere Frauen aus einem teilweise zerstörten Spital zu begleitet.

Private starten Sammel-Aktion

Private sammeln zudem via Crowdfunding Geld, um die Hauptstadt nach Erdbeben, Coronavirus-Ausbruch und Unwettern zu unterstützen. Innert eines Tages kamen so mit einer Gofundme-Kampagne bis anhin über 43'500 Euro zusammen.

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