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«Er glaubte die wildesten Verschwörungstheorien»

Du vermisst derzeit das wilde Datingleben? Nach diesen Erlebnissen wahrscheinlich nicht mehr.

Donnerstag, 2.4.2020

«Dieses Date ging richtig in die Hose»

Ich habe die Frau online kennengelernt und wir haben uns gleich mega gut verstanden! So gut, dass wir bereits nach wenigen Tagen ein Treffen ausgemacht haben. Wir haben uns an einem schönen Sommertag am Rhein getroffen und dort zwei sehr angenehme Stunden verbracht.

Danach habe ich ihr noch die Stadt gezeigt. Und während wir so stundenlang durch die Gassen von Basel gelaufen sind, habe ich plötzlich einen leichten Druck auf der Blase gespürt. Ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht und meinem Date gesagt, dass ich langsam zurück sollte, um bei mir Zuhause aufs WC zu gehen. Easypeasy.

Der Druck wurde immer grösser

Wir haben uns dann also auf den Rückweg gemacht, rund zwei Kilometer waren es bis zu mir. Einige, die das lesen, kennen das Gefühl vielleicht: Je näher man der rettenden Schüssel kommt, desto grösser wird der Druck auf die Blase – genau so war das bei mir. Inzwischen fiel mir sogar das Laufen ein bisschen schwer, ich musste wirklich furchtbar dringend aufs Klo.

Und dann ist es passiert, 200 Meter vor meiner Haustür: Mein Körper, meine Blase, hat versagt und dem Druck nachgegeben. Ich bin mit eingenässten Hosen stehengeblieben. Sie hat mich angestarrt. Ich habe sie angestarrt. Wir waren beide sprachlos, es war schrecklich. Das Date war so richtig in die Hose gegangen und sie hat den Kontakt zu mir abgebrochen.

(*Namen geändert)

Dienstag, 24.3.2020

«Er glaubte die wildesten Verschwörungstheorien»

Ich habe Steven* über ein Datingportal kennen gelernt und fand ihn richtig gut! Er war mittelgross, ein eher schmaler Typ und wirkte auf mich sehr sympathisch. Wir haben erst mal nur Nachrichten ausgetauscht und über ganz normale Sachen geredet: Wwas wir arbeiten, wo wir leben, unsere Hobbys und so weiter.

Steven wirkte wirklich völlig normal, und so haben wir ein Treffen in einer Bar ausgemacht. Als er ankam, meinte er, er habe noch was für mich, wolle mir das aber erst später geben. Ich habe mich gewundert, aber noch nichts Böses dabei gedacht.

«In zehn Jahren haben wir alle keinen freien Willen mehr»

Doch kaum hatte es sich Steven auf seinem Sessel bequem gemacht, ging das Gespräch in eine total schräge Richtung: «Das Leben ist kein Ponyhof, mir wärs echt egal, wenn ich heute sterbe», hat er gesagt. So aus dem Nichts! Und dann begann er zu zu erzählen, er habe ja auch schon «Haustiere, Verwandte und Jobs verloren» und «das Jenseits sei bestimmt auch schön».

Immer weiter holte der gute Steven aus und erklärte mir, ich müsse aufpassen, weil in zehn Jahren niemand mehr einen eigenen Willen habe. Wisst ihr, wieso? «Weil die Amerikaner uns Chips ins Hirn pflanzen und uns und unsere Gedanken steuern.» Äh, ja, okay.

Und dann ... holte er sein Horoskop heraus

Er wirkte so durchgeknallt, dass ich mich nicht traute, einfach zu gehen. Ich habe also erst mal einen neuen Drink bestellt. Er klaubte einen Zettel aus seiner Tasche – sein Mitbringsel – und hielt ihn mir unter die Nase: Es war sein Horoskop. Darin stand, er werde heute eine Person treffen, die er schon lange kenne, und sie würden sich verlieben.

Jesses. Ich kannte ihn gerade mal einen Monat und nach unserem Gespräch war die Option «verlieben» für mich gestorben. Unbeirrt sprach er weiter und legte dar, dass er, der noch bei seinen Eltern wohnte, eigentlich sofort mit mir zusammenziehen wollte.

Ich war so perplex, ich habe meiner Freundin geschrieben, ob sie mich anrufen und einen Notfall vortäuschen kann, damit ich von diesem Date wegkomme.

(*Namen geändert)

«Sie schlug mir ihre Tasche ins Gesicht»

Über eine Dating-App habe ich Paula* kennengelernt. Auf den Fotos sah sie super aus: Sie hatte ein hübsches Gesicht und eine schlanke Figur. Wir verabredeten uns für ein Date in einem Starbucks.

An jenem Tag habe ich an unserem Treffpunkt auf sie gewartet. Paula war zu spät und ich dachte schon, dass sie nicht kommt, als eine Brünette laut ‹Hallo› rief und mir energisch zuwinkte. Die Frau war geschätzt 140 Kilo schwer und sah überhaupt nicht aus wie Paula auf ihren Profilbildern. Ich dachte erst, die Dame hat mich mit jemandem verwechselt.

Doch als sie zielstrebig auf mich zulief und sich vorstellte, war klar: Mein Date hatte sich auf der App bis zur Unkenntlichkeit gephotoshoppt. Ich war baff. Trotzdem wollte ich anständig sein und den versprochenen Kaffee mit ihr trinken. Wer weiss, vielleicht war sie ja ganz nett. Ich liess mir also nichts anmerken und lief mit ihr Richtung Starbucks.

«Du bist so fake!»

Es war ein schöner Tag und das Lokal war voller Leute. Als wir im Café sassen, meinte Paula plötzlich: «Auf deinen Bildern siehst du viel muskulöser aus.» Ich fragte, ob sie das als Witz meine – schliesslich habe ich meine Fotos nicht gephotoshoppt. Sie entgegnete mir: «Nein, ich fühle mich echt verarscht.» Da habe ich ihr gesagt, dass ich dachte, sie sei wesentlich schlanker.

Darauf ist sie ausgerastet. Vor allen Starbucks-Gästen schmiss sie mir ihre Tasche ins Gesicht und schrie: «Schaut euch dieses dürre Arschloch an! Du bist so fake!» Alle Leute im Café haben gelacht. Ich packte schnell meine Sachen und zog Leine. Sie blieb im Café und ass in aller Ruhe ihren Kuchen fertig.

Es scheint Paulas Masche zu sein

Später habe ich einen Kollegen kennen gelernt, dem das Gleiche passiert ist: Sein Date war in echt auch sehr viel korpulenter als auf den Bildern, die er von ihr erhalten hatte. Als er mir ihr Dating-Profil gezeigt hatte, war ich verdutzt: Die Foto-Fakerin war Paula.

Und: Wie er erzählte, war auch sie bei seinem Date aggressiv und rastete plötzlich völlig aus. Das scheint wohl ihre Masche zu sein.

Inzwischen bin ich in einer festen Beziehung. Aber als ich noch single war, habe ich mich nach dieser Erfahrung immer zweimal auf die Bilder meiner Dates geachtet – und fragte in meinem Freundeskreis zusätzlich nach, ob jemand die Person persönlich kennt.

(*Namen geändert)