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Boris Johnsons Zustand verbessert sich

Ausgehverbot, geschlossene Betriebe und steigende Fallzahlen – das Coronavirus hält die Welt in Atem. Die Corona-News aus dem Ausland im Ticker.

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8. April
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Der Gesundheitszustand des britischen Premierministers Boris Johnson hat sich nach Angaben von Finanzminister Rishi Sunak gebessert.

Keystone
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Der Einreisestopp in die Europäische Union soll nach Ansicht der EU-Kommission bis zum 15. Mai verlängert werden.

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Ein Mann in Grossbritannien ist zu 12 Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er vier Schutzmasken aus einem Spital in London gestohlen hatte.

Keystone/Roman Pilipey
  • Das neue Coronavirus breitet sich weiter aus. Über 200 Länder, Gebiete und Territorien sind betroffen.
  • Weltweit gibt es über 1'400'000 Infizierte, mehr als 80'000 Menschen sind am Virus gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. (Stand 7. April 2020)
  • Noch wurde kein Impfstoff gegen das Virus gefunden.
Mittwoch, 8.4.2020

Johnsons Zustand verbessert sich

Der Gesundheitszustand des britischen Premierministers Boris Johnson hat sich nach Angaben von Finanzminister Rishi Sunak gebessert. «Der Premierminister bleibt in Intensivbehandlung, wo sich sein Zustand verbessert», sagte Sunak in einer Pressekonferenz am Mittwochabend in London. Ausserdem habe sich Johnson im Bett aufsetzen können und habe «positiv» mit dem medizinischen Team interagiert.

Zuvor hatte der Regierungssitz Downing Street mitgeteilt, Johnson sei «klinisch stabil» und die Behandlung schlage an. Er werde weiterhin auf der Intensivstation des St. Thomas's Hospital in London behandelt und sei gut gelaunt.

Johnson war am Sonntag ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem die Symptome seiner Covid-19-Erkrankung nach zehn Tagen nicht abgeklungen waren. Am Montag ging es ihm dann schlechter und er musste auf die Intensivstation verlegt werden. Seitdem stabilisierte sich sein Gesundheitszustand aber.

EU stellt 20 Mrd. Euro bereit

Im Kampf gegen die Pandemie stellt die Europäische Union Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika und dem Balkan mehr als 20 Milliarden Euro zur Verfügung. Das gibt der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell nach einer Videokonferenz der EU-Aussen- und -Entwicklungshilfeminister bekannt.

«Die weltweite Pandemie kann nur global überwunden werden. Sie wird nirgendwo besiegt, wenn sie nicht überall besieget wird», betont Borrell.

WHO-Chef reagiert auf Trump-Kritik

WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus weist Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Weltgesundheitsorganisation mit scharfen Worten zurück. In einer Presseunterrichtung fordert er die Staats- und Regierungschefs dazu auf, das Virus nicht zu «politisieren». Drei Anliegen seien ihm wichtig: «Einheit auf nationaler Ebene, Covid nicht für politische Zwecke nutzen. Zweitens: ehrliche Solidarität auf globaler Ebene. Und: ehrliche Führung vonseiten der USA und Chinas.»

USA: Über 400'000 Infizierte

In den USA gibt es inzwischen mehr als 400'000 registrierte Infektionen mit Sars-CoV-2. Das ging am Mittwochmittag (Ortszeit) aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Rund 13'000 Infizierte starben demnach in den USA.

Der Bundesstaat New York ist in der Corona-Krise derzeit das Epizentrum der USA. Die Zahl der bestätigten Fälle lag dort am Dienstag bei mehr als 138'000, rund 5500 starben infolge einer Infektion mit dem Coronavirus.

In den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, gibt es deutlich mehr bekannte Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 als in jedem anderen Staat der Welt. Die Zahlen lassen sich wegen der unterschiedlichen Testquote und einer hohen Dunkelziffer jedoch nur begrenzt vergleichen.

EU-Exit-Strategie über Monate

Die Corona-Beschränkungen sollten aus Sicht der EU-Kommission nur in kleinen, streng kontrollierten Schritten über einen Zeitraum von mehreren Monaten gelockert werden. Dies geht aus dem Entwurf der sogenannten Exit-Strategie hervor, die die Kommission nächste Woche veröffentlichen will und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

«Jede schrittweise Lockerung der Ausgehbeschränkungen wird unausweichlich zu einer Steigerung neuer Fälle führen», heisst es in dem Papier. Zwei Voraussetzungen sollten deshalb aus Sicht der Kommission erfüllt sein: eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des Virus; und eine ausreichende Zahl von Krankenhaus- und Intensivbetten.

Schrittweise sollten auch die innereuropäischen Grenzkontrollen aufgehoben werden, empfiehlt die Kommission. Sie rät dringend zu Absprachen der Nachbarstaaten und zur gegenseitigen Information bei der Aufhebung der Restriktionen.

Beim Wiederanfahren der Wirtschaft rät die Kommission zum gleitenden Übergang. Nicht alle Beschäftigten dürften gleichzeitig an den Arbeitsplatz zurückkehren. Zunächst sollten kleinere Menschenansammlungen erlaubt werden, solange Abstand gehalten wird, zuerst in Läden und Schulen, dann auch in Restaurants und Bars. Die Nutzung von Privatautos sollte so schnell wie möglich wieder erlaubt werden, öffentlicher Nahverkehr dagegen nur nach und nach wieder.

Höhepunkt noch immer nicht erreicht

Die Corona-Pandemie hat nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC noch immer nicht ihren Höchststand in Europa erreicht. «Trotz früher Hinweise aus Italien und Österreich, dass die Zahl der Fälle und Todesfälle abnimmt, gibt es derzeit auf EU/EWR-Ebene keine Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt der Epidemie erreicht worden ist», teilte das in Solna bei Stockholm ansässige Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten am Mittwoch in seiner aktualisierten Risikobewertung mit.

Weiterhin würden in verschiedenen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und Grossbritannien grössere Anstiege gemeldet.

«In der momentanen Situation kann eine weitere Ausbreitung des Virus erwartet werden», erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. Es sei zu früh, um plötzlich alle Massnahmen zur Vermeidung körperlichen Kontakts in der Region aufzuheben - selbst wenn diese auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene sehr störend für die Gesellschaft seien.

Zum EWR gehören neben den 27 Staaten der EU noch die Länder Norwegen, Island und Liechtenstein. In diesem Raum zuzüglich Grossbritannien starben nach ECDC-Angaben bislang mehr als 55 000 Menschen mit Covid-19-Erkrankung, es gibt bisher mehr als 630 000 bestätigte Infektionen. Die ersten Infektionsfälle des neuartigen Coronavirus in Europa waren Ende Januar in Frankreich und Deutschland aufgetaucht.

Türkei ruft an, wenn man das Haus verlässt

Die Türkei will die Einhaltung von Quarantäne-Auflagen mit Hilfe der Handy-Daten der Erkrankten überwachen. Wer sein Haus verlasse, werde einen Anruf erhalten, teilt das Kommunikationsdirektorat des Präsidialamts mit. Man werde sie bitten, nach Hause zurückzukehren und bei wiederholten Verstössen bestrafen. Die Regierung werde sicherstellen, dass die Daten nicht für andere Zwecke benutzt werden.

EU-Kommission für Verlängerung des Einreisestopps

Der weitgehende Stopp der Einreisen in die Europäische Union soll nach Ansicht der EU-Kommission bis zum 15. Mai verlängert werden. Dies schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch vor; die Entscheidung darüber kann jedoch jedes Land für sich treffen.

Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hatten sich Mitte März alle EU-Staaten ausser Irland sowie die Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island darauf geeinigt, nicht zwingend notwendige Reisen in die EU zunächst für 30 Tage einzuschränken.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Massnahme mehr als 30 Tage brauche, um wirksam zu sein, hiess es am Mittwoch in einer Mitteilung der EU-Kommission. Die Behörde rief die Staaten zu einem abgestimmten Vorgehen bei der Verlängerung auf. Massnahmen an den Aussengrenzen seien nur dann effektiv, wenn sie einheitlich seien.

Ökonom warnt vor Vertrauensverlust

Simon Evenett, Handelsökonom an der St. Galler HSG, rechnet damit, dass der weltweite Handel im Zuge der Coronavirus-Pandemie um 20 bis 25 Prozent einbrechen könnte. Das wäre, wie Evenett im Interview mit der «Handelszeitung» sagt, ein deutlich stärkerer Einbruch als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, als der Welthandel um 13 Prozent zurückging.

Mit grosser Sorge verfolgt Evenett die zunehmenden Handelsbeschränkungen bei den Medizingütern, die mittlerweile mehr als sechzig Staaten erfasst haben. «Wir sehen die schlimmste Form von Verhalten. Wenn man sieht, wie die Regierungen miteinander um Medizingüter wetteifern, dann muss das, so fürchte ich, negative Auswirkungen auf das gegenseitige Vertrauen und auf den Willen zur Zusammenarbeit haben», so der Handelsökonom.

Mit Blick auf die Schweiz befürchtet Evenett, dass die Krise Auswirkungen auf den Pharmasektor haben könnte. Wenn grosse Player wie die USA und die EU ihre Pharmaproduktion «repatriierten», dann könnte das dazu führen, «dass viele hochqualifizierte und hochgezahlte Jobs aus der Schweiz abgezogen werden könnten».

Zudem rät er der Schweiz, sich einer Initiative von Staaten anzuschliessen, welche die Grenzen für den Handel offenhalten wollen – etwa für Medizingüter. Die Initiative ging von Neuseeland und Singapur aus, inzwischen haben sich ihr auch die beiden G20-Staaten Kanada und Australien angeschlossen.

Der Bundesrat hat vergangene Woche den Export von Medizingütern wie Schutzmaterial, aber auch den Export von einigen Medikamenten, die bei der Behandlung von Covid-19-Patienten zum Einsatz kommen, einer Bewilligungspflicht unterstellt.

EU-Parlament: Räume für Bedürftige

Das Europaparlament will angesichts der Coronavirus-Pandemie Bedürftigen in Brüssel helfen.

Ein Teil der Räumlichkeiten des EU-Parlaments in der belgischen Hauptstadt solle während der gesundheitlichen Notlage Obdachlosen und «den Schwächsten der Gesellschaft» zur Verfügung gestellt werden, teilte Parlamentspräsident David Sassoli am Mittwoch in einer Videobotschaft mit.

«Darüber hinaus werden unsere Küchen mehr als 1000 Mahlzeiten pro Tag herstellen, die an Bedürftige verteilt werden sowie an Mitarbeiter des Gesundheitswesens, um ihnen ihre Arbeit zu erleichtern», erklärte Sassoli.

Das EU-Parlament wolle so die Gemeinden der Parlamentsstandorte unterstützen, sagte Sassoli. «Die Stärke Europas liegt in seiner Fähigkeit, solidarisch zu handeln.» Das Europaparlament hatte am Dienstag angekündigt, dass Räumlichkeiten des Parlamentsgebäudes im französischen Strassburg ebenfalls bereitgestellt werden.

Wie gehts eigentlich Johnsons schwangeren Verlobten?

Während der britische Premierminister Boris Johnson (55) wegen der Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation des St. Thomas' Spitals in Südlondon versorgt wird, muss seine schwangere Verlobte Carrie Symonds alleine zuhause ausharren. Zuvor hatte die 32-Jährige selbst Sympotome einer Covid-19-Erkrankung gezeigt und sich in eine zwei Wochen lange Selbstisolation begeben. Ende letzter Woche twitterte sie, dass sie sich besser fühle.

Dann aber der Schock, als Johnson letzte Woche zunächst ins Spital und schliesslich auf die Intensivstation verlegt wurde. Symonds, die ihren Lebensgefährten seit Wochen nicht gesehen haben soll, sei wegen der Nachricht fast zusammengebrochen, so britische Boulevardblätter. Freunde und Familie versuchen der PR-Beraterin über das Telefon beizustehen und sie aufzumuntern.

Symonds erwartet im Juni ihr erstes Kind und soll in einer gemeinsamen Wohnung in in Camberwell in Südlondon leben. Im nahen St. Thomas' Spital darf sie Johnson natürlich nicht besuchen, und es ist unklar, ob die beiden derzeit miteinander telefonieren.

Auf Twitter schrieb die 32-Jährige letzte Woche zudem: «Natürlich macht man sich als Schwangere mit Covid-19 Sorgen.» Sie verwies auf einen Ratgeber für Schwangere, der sie einigermassen beruhigt hatte. Experten gehen davon aus, dass Ungeborene vor einer Ansteckung grundsätzlich sicher seien. Es gebe auch keine Daten, die darauf hinweisen würden, dass es ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten gebe, wie der Guardian schreibt.

Schwangere sollten demnach aber speziell darauf achten, keinen Kontakt zu Kranken oder Menschen mit Symptomen zu haben.

Die Sympathien für die junge Mutter in spe, die schwanger und alleine daheim ausharren muss, sind gross. Selbst die Queen dachte an Carrie und schickte ihr eine Grussbotschaft, dass Carrie und Boris in ihren Gedanken seien.

Schutzmasken geklaut – 12 Wochen Haft

Ein Mann in Grossbritannien ist zu zwölf Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er vier Schutzmasken aus einem Krankenhaus in London gestohlen hatte. Das teilte die Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service) per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Der 34 Jahre alte Mann war demnach vom Sicherheitsdienst des King's College Hospital zur Rede gestellt worden, als er die Klinik verlassen wollte, und gab den Diebstahl zu. Der Vorfall hatte sich bereits am Sonntag zugetragen. Schutzmasken sind in britischen Krankenhäusern, wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, sehr knapp.

Rom plant «Phase 2»

Erst sollen Unternehmen in Italien vorsichtig wieder ihre Arbeit aufnehmen, dann können Lockerungen für die Menschen folgen: Die Regierung in Rom plant im Kampf gegen die Folgen der Corona-Krise ein langsames, schrittweises Vorgehen, wie Medien am Mittwoch berichteten.

Diese Pläne werden «Phase 2» genannt. Die Regierung habe den wissenschaftlichen Beirat beauftragt, Details zu erarbeiten.

Zuletzt waren die Ausgangsbeschränkungen für die 60 Millionen Italiener, die am 10. März erlassen wurden, bis Ostermontag verlängert worden. Ausserdem ist die nicht lebensnotwendige Produktion gestoppt und viele Läden sowie Restaurants sind geschlossen.

Es wurde erwartet, dass die Arbeit in einigen stillgelegten Firmen in der kommenden Woche wieder anlaufen darf. Unternehmerverbände machen zunehmend Druck wegen drohender Pleiten. Weitere Öffnungen von Geschäften und Erleichterungen für die Bürger dürfte es aber erst ab dem 4. Mai geben, hiess es in TV-Berichten.

«Wir können nicht riskieren, dass die Kurve der Epidemie wieder ansteigt, weil wir es uns nicht leisten können, von vorne zu beginnen», wurde Ministerpräsident Giuseppe Conte von der Zeitung «Corriere della Sera» zitiert. Voll anlaufen könne die «Phase 2» wohl erst nach den Brückentagen um den 1. Mai, hiess es.

Den Berichten zufolge sollen parallel zu ersten Lockerungen neue Schutzregeln erlassen werden. Strikte Schichtregeln für Fabriken und Büros sowie Maskenpflichten seien in der Diskussion. Italien ist mit mehr als 17 000 Toten in Europa besonders hart von der Infektionswelle getroffen.

Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen aber deutlich zurückgegangen. Nach Angaben des Gesundheitsministers Roberto Speranza steckt jeder Infizierte durchschnittlich nur noch eine weitere Person an.

Vorwürfe gegen Kliniken

In Italien wird Kritik an Fehlern im Umgang mit der Corona-Krise in Krankenhäusern und Altersheimen lauter. In Heimen in der besonders betroffenen Lombardei scheint es zu einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus gekommen zu sein.

Allein in einer bekannten Geriatrie bei Mailand seien seit März 110 Menschen gestorben und Fälle verdeckt worden, berichtete unter anderem die Zeitung «Corriere della Sera».

Die Staatsanwaltschaft in Mailand habe Ermittlungen zum Zustand in mehreren Heimen aufgenommen. Der Vizepräsident der Region, Fabrizio Sala, erklärte, es sei eine Kommission zur Aufklärung eingerichtet worden. Die Einrichtung äusserte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen.

Am Mittwoch erklärte zudem die Staatsanwaltschaft laut Nachrichtenagentur Ansa, dass gegen Unbekannt in einer Klinik in Alzano Lombardo bei Bergamo ermittelt werde. Die Provinz ist das Epizentrum der Corona-Krise in Italien. Der Bürgermeister von Bergamo, Giorgio Gori, hatte gesagt, dass dort vermutlich Corona-Kranke nicht sofort erkannt worden seien.

Der Verband der Chirurgen und Zahnärzte in der Lombardei prangerte derweil in einem Brief an die Region mehrere Fehler im Krisenmanagement an – darunter mangelnde Tests auf das Virus. Diese werden derzeit nur bei denen gemacht, die ernsthafte Symptome zeigen.

Auch mangele es an Schutzausrüstung für Ärzte und medizinisches Personal. Zudem gebe es keine Klarheit über die Ausbreitung des Virus in Altenheimen. In Italien sind im Zuge der Pandemie bisher mehr als 17 000 Infizierte gestorben.

Die Fünf-Sterne-Bewegung kritisierte die Entscheidung der Region, die Krankenhäuser zu entlasten, indem Covid-Patienten in Alterseinrichtungen geschickt worden seien. «Das bringt eine enorme moralische Verantwortungslosigkeit der Politik zum Vorschein», erklärte die Europaabgeordnete Eleonora Evi.

28 Flüchtlinge infiziert

In zwei Flüchtlingslagern im Norden Athens sind bis Mittwoch 28 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Lager wurden in Quarantäne gestellt. Dies teilte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis am Mittwoch im griechischen Parlament mit.

«Wir treffen alle nötigen Massnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken», erklärte der Minister. In den Lagern auf den Inseln im Osten der Ägäis seien bislang keine Coronavirus-Fälle diagnostiziert worden.

Die in Quarantäne gestellten Lager von Malakasa und Ritsona befinden sich 45 und 75 Kilometer nördlich von Athen. Insgesamt leben dort rund 4800 Menschen. In den Lagern auf dem griechischen Festland ist die Lage bei weitem nicht so schlimm wie in den Camps auf den Inseln im Osten der Ägäis. Die Menschen leben dort in Wohncontainern nicht so eng beieinander wie auf den Inseln. Dort harren sie mehrheitlich in Zelten und provisorischen Unterkünften unter Plastikplanen aus.

In Griechenland sind bislang 81 Menschen an der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Spanien: Corona-Abschwächung, aber ...

In Spanien hat sich die Zuwachsrate bei den Corona-Neuinfektionen weiter stabilisiert. Innerhalb von 24 Stunden stieg die Zahl der registrierten Fälle erneut um nur vier Prozent auf knapp 146 700. Seit Tagen ist die Rate damit gleichbleibend niedrig.

Gleichzeitig kletterte die Zahl der Todesopfer wieder leicht: Seit Dienstag kamen 757 Menschen in Verbindung mit Covid-19 ums Leben. Insgesamt lag die Zahl der Toten damit bei 14 500. Die gute Nachricht: 48 000 Patienten sind bereits wieder gesund, elf Prozent mehr als am Vortag.

Die strengen Ausgangsbeschränkungen in dem besonders schwer von der Krise betroffenen Spanien, die bereits seit Mitte März gelten, zeigen somit schrittweise Wirkung. Die Ansteckungskurve habe sich stabilisiert, «sie flacht ab und wir sind in der Phase der Abschwächung», sagte Gesundheitsminister Salvador Illa.

Der Druck auf die Intensivstationen gehe langsam zurück. Mittlerweile kämen täglich etwa drei Prozent Intensivpatienten hinzu, vor einer Woche seien es sechs Prozent gewesen, vor zwei Wochen sogar noch 16 Prozent, rechnete Illa vor.

Die Regierung will den Alarmzustand samt Ausgehsperre ein zweites Mal bis Mitternacht des 25. April verlängern. Das Parlament muss dem Vorhaben aber am Donnerstag noch zustimmen. Ab Ende April soll es dann nach und nach Lockerungen für die Bevölkerung geben.

Corona-Kontrollen per Zeppelin

Achtung, Corona-Kontrolle von ganz oben: Die Polizei in der südwestdeutschen Region Bodensee-Oberschwaben geht am Osterwochenende an Bord eines Zeppelins, um die Beschränkungen zur Eindämmung des Virus zu überwachen.

Der Ravensburger Polizeipräsident Uwe Stürmer sagte, die Polizisten könnten aus der Höhe Menschengruppen viel besser erkennen als vom Streifenwagen aus. Zudem eigne sich der Zeppelin NT wegen seines leisen Flugs besonders für eine derartige Mission, hiess es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Die Deutsche Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen stellt das Luftschiff für den Einsatz zur Verfügung. Geplant sind mehrere Flüge von Karfreitag bis Ostermontag.

Chef von EU-Forschungsrat tritt zurück

Im Streit über Massnahmen gegen die Viruskrise verliert das zentrale EU-Wissenschaftsgremium, der Europäische Forschungsrats (ERC), seinen Präsidenten. Die EU-Kommission erklärt, sie bedauere den Rückzug von Mauro Ferrari von der ERC-Spitze zu einem so frühen Zeitpunkt. Mauro hatte das Amt erst am 1. Januar angetreten. Ferrari sagt der «Financial Times», die zuerst über seinen Rücktritt berichtet hatte, er sei «extrem enttäuscht» von der Reaktion der EU auf die Pandemie. Er verwies auf bürokratische Hürden in der EU, die seinem Vorschlag für ein Grossprojekt zur Erforschung und Eindämmung des Virus entgegengestanden hätten.

Trauriger Rekord in Russland

In Russland ist die Zahl der bestätigten Virus-Infektionen den zweiten Tag in Folge um mehr als 1000 gestiegen. Am Mittwoch meldeten die zuständigen Behörden ein Plus von 1175 Fällen - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag. Insgesamt sind demnach in Russland jetzt 8672 Ansteckungen registriert. Die Behörden bezifferten die bekannten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf 63 - fünf mehr als am Vortag.

Covid-19-Verdacht auf französischem Flugzeugträger Charles de Gaulle

Auf dem französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle besteht bei rund 40 Seestreitkräften ein Covid-19-Verdacht. Sie stünden unter verstärkter medizinischer Beobachtung und zeigten Symptome, die mit einer möglichen Covid-19-Infektion vereinbar seien, teilte das französische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.

Diese ersten Symptome traten demnach erst kürzlich auf. Auf dem Flugzeugträger gebe es eine medizinische Station mit Beatmungsgeräten. «Ab heute wird ein Screening-Team mit Tests an Bord des Flugzeugträgers geschickt, um die aufgetretenen Fälle zu untersuchen und die Ausbreitung des Virus an Bord des Schiffes zu verhindern», hiess es.

Das Schiff befindet sich derzeit im Atlantik und ist auf dem Weg zurück ins Mittelmeer. Die betroffenen Seeleute seien als Vorsichtsmassnahme isoliert untergebracht worden. Als Präventivmassnahme seien ausserdem Masken an alle Mitarbeiter verteilt wurden, die Symptome, insbesondere Husten, aufwiesen, erklärte das Ministerium.

Zuletzt hatten sich auf dem US-Kriegsschiffs «USS Theodore Roosevelt» mehr als 150 Besatzungsmitglieder mit dem Coronavirus infiziert. Daraufhin war US-Marineminister Thomas Modly zurückgetreten.