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25.03.2020 06:37

Coronavirus

Arzt fordert Shutdown für die ganze Schweiz

Der Mediziner Adriano Aguzzi fordert einen Lockdown in der ganzen Schweiz: Nur so könne die Epidemie besiegt werden. Die Unia unterstützt diese Forderung.

von
bsc

Wer die Massnahmen des Bundes nicht befolgt, muss bis Ende Monat schliessen. Das war die Idee des Tessin. Doch diese Regelung ist bundesrechtswidrig, wie das Bundesamt für Justiz in einer Medienkonferenz mitteilte.

Unverständlich für den Neuropathologen Adriano Aguzzi vom Universitätsspital Zürich. Er fordert nämlich einen Shutdown für die ganze Schweiz: Der wirtschaftliche Schaden sei viel grösser wenn 50'000 Leute sterben, als wenn alles kurz stillgelegt werde, schreibt der Mediziner auf Twitter.

Die Schweiz kann sich das leisten

Bereits am 13. März rief er online zu einem schweizweiten Lockdown auf: «Wenn wir alle Läden ausser Lebensmittel und Apotheken sofort schliessen und alle – ausser das medizinische Personal – zu Hause bleiben, ist die Krise in drei Monaten vorbei.» Die Schweiz sei sehr reich und könne es sich leisten, die Wirtschaft stillzulegen.

In China habe diese Massnahme dazu geführt, dass die Epidemie besiegt worden sei und die Industrie nun wieder anlaufe, schreibt Aguzzi. So wurden in China die wirtschaftlichen Aktivitäten im Januar stillgelegt. Ende Februar konnten viele Unternehmen ihre Aktivitäten wiederaufnehmen. Mitte März soll es dann zum ersten Mal keine neuen Ansteckungen innerhalb von China gegeben haben. Das teilte ders Gesundheitsausschuss der Regierung in Peking mit.

Arbeitgeber befolgen Anordnungen nicht

Auch die Unia unterstützt die Forderung nach einem gesamtschweizerischen Shutdown. «Die Arbeiten in nicht-essentielle Bereiche müssen eingestellt werden», schreibt die Gewerkschaft in einer Medienmitteilung. Denn viel zu viele Arbeitgeber würden den Anordnungen zum Gesundheitsschutz nicht Folge leisten.

Dabei wolle die Gewerkschaft möglichst viele Arbeitsplätze sichern: «Das machen wir, indem wir den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer sicherstellen. Ohne dies dauert es viel länger, bis wir aus der Krise rauskommen», sagt Unia-Präsidentin Vania Alleva gegenüber «Blick».

Kosten würden explodieren

Anders sieht das Ganze der Wirtschaftsverband Economiesuisse: «Bei einem schweizweiten Shutdown würden die Kosten explodieren», sagt Chefökonom Rudolf Minsch zu 20 Minuten. Würde die ganze Industrie lahmgelegt, würde auch irgendwann die Lebensmittelversorgung beeinträchtigt werden. «Schliesslich muss die Kasse in der Migros auch gewartet oder ersetzt werden können.»

Dass Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben des Bundes halten, vorübergehend schliessen müssen, unterstützt Minsch aber. Es gebe immer schwarze Schafe. Darum brauche es aber keinen Lockdown. «Solange man einkaufen gehen kann, besteht sowieso keine absolute Sicherheit», so Minsch. Es gebe immer ein kalkuliertes Risiko, genauso wie auf dem Bau und in der Industrie.

Den Vergleich mit China findet Minsch unzulässig: Das politische System in China sei ganz anders. Es werde von oben nach unten regiert. In der Schweiz liege die Verantwortung bei der Bevölkerung.

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