Hier geht's zur aktuellen Website zurück
30.01.2020 13:55

Argentinien

Als Vegi im Land der Steak-Fanatiker

Auf ihrer Reise besucht unsere Redaktorin ein Grill-Lokal nach dem anderen. Was isst eine Vegetarierin im Land des Fleisches?

von
Laura Hüttenmoser
1 / 20

«Du gehst nach Argentinien und isst kein Fleisch?!» Meine Freunde lachten mich vor meiner Reise ein bisschen aus. Eigentlich ist es heutzutage kein Problem mehr, als Vegetarierin zu reisen. Es gibt mittlerweile überall ein grosses Angebot an fleischlosen Gerichten und spezialisierten Lokalen. Welche man besucht, kann man sich ja aussuchen. Ein Vegi würde zum Beispiel in Argentinien nicht unbedingt jeden Tag ins Grill-Restaurant. Nun, ich schon.

Ich war auf einer Pressereise. Dabei werden Journalistinnen und Journalisten an eine Destination eingeladen, meist von einer Tourismusbehörde, die alle Aktivitäten organisiert. Dazu zählen auch die Mahlzeiten, üblicherweise in Restaurants mit landestypischer Küche. In Argentinien ist man besonders stolz auf das weltbekannte Rindfleisch, das als besonders zart und köstlich gilt. Klar, will man es den ausländischen Gästen bei jeder Gelegenheit präsentieren.

Fleisch zum Zmittag und Znacht

Und so kehren wir täglich in einer «Parrilla» (einem Grill-Restaurant) ein, wo entweder mehrere mit Fleisch gehäufte Platten serviert werden oder jeder ein eigenes Steak bekommt. Und die sind in Argentinien riesig, Beilagen hingegen eher sekundär. Meine Kolleginnen und Kollegen schwärmen in den höchsten Tönen vom zarten Lamm (in Patagonien), den saftigen Rindfleisch-Steaks, von den fettreichen Rippchen und würzigen Chorizos. Aber die Grösse der Portionen überfordert die meisten. Entweder unsere Gastgeber sind besonders grosszügig oder Argentinier sind es einfach gewohnt, mehr Fleisch zu essen als Schweizer.

So geht das jeden Tag, nach und nach setzt bei einigen Kollegen der Fleischkoller ein. Für das Lunchpaket am vierten Tag melden sich zwei weitere Personen, sie würden die fleischlose Variante bevorzugen. Beim Abendessen am fünften Tag kündigt die Kellnerin an, sie werde «einfach etwas bringen», unser Fotograf entgegnet präventiv: «Bitte auch noch etwas anderes als Fleisch, ich kann nicht mehr.» Eine andere Kollegin am Tisch scherzt: «Am Ende der Woche sind alle Vegetarier.»

So weit kam es zwar nicht, aber die tägliche Fleischmenge war für die meisten too much. Wie viel er gegessen habe, frage ich den Fotografen. «Keine Ahnung, so viel wie sonst in zwei Monaten?», schätzt er. Eine andere Kollegin sagt: «Im Gegensatz zu hier haben in der Schweiz auch die Beilagen einen gewissen Stellenwert. Daher sind wir es nicht gewohnt, so grosse Stücke Fleisch zu essen, und das mehrmals am Tag.»

Viva L'Italia!

Und wie erging es mir? Nun, ich musste weder hungern noch die ganze Woche lang Salat essen. Argentinien und seine Küche sind stark von italienischen Einwanderern geprägt. Und so habe ich sehr viel Pasta, Pizza und Gemüse verdrückt, was auch in Grill-Restaurants angeboten wird und ausgezeichnet schmeckt. Kurzum: Wer italienisches Essen mag (und wer tut das nicht?), hat in Argentinien kein Problem.

Und natürlich war diese Woche nicht repräsentativ. Individualreisende können schliesslich selbst entscheiden, wie viel Fleisch sie essen möchten, und gehen nicht jeden Tag in eine Parrilla. Zudem besteht in Buenos Aires ein grosses Angebot für Vegetarier und sogar Veganer. Idealerweise verurteilt man sich gegenseitig nicht für seine persönliche Entscheidung, sondern kommt zu einem Mate-Tee oder Glas Malbec zusammen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise von Edelweiss und dem Nationalen Tourismusamt von Argentinien. fliegt 2x wöchentlich nonstop von Zürich nach Buenos Aires. Ab 749 Fr. auf flyedelweiss.com.

Fehler gefunden?Jetzt Melden.